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Laufsucht: Wenn mehr Training dich langsamer macht
Du kennst die Szene: Du kommst kaputt über die Ziellinie, krümmst dich zusammen, schwörst vor Zeugen „nie wieder“ – und stehst zehn Minuten später schon am Anmeldestand fürs nächste Rennen. Es ist die gesellschaftlich am meisten bewunderte Sucht der Welt. Nur zählt dein Körper keine Startnummern. Er zählt Belastung. Und wenn die Waage zu lange auf der falschen Seite steht, zahlst du dafür.
Das Paradox: Mehr tun bringt dich weniger weiter
Fortschritt entsteht durch den Wechsel von Belastung und Erholung. Fällt die Erholung weg, häuft sich die Belastung an, ohne sich je in Anpassung zu verwandeln: Du trainierst immer mehr für immer magerere Ergebnisse. Das ist das Erkennungszeichen von Übertraining – und zugleich die Falle, denn der Instinkt sagt dir, noch eine Schippe draufzulegen.
Die Warnsignale, auf die du achten solltest
- Deine Zeiten stagnieren oder werden schlechter, trotz steigendem Umfang – Signal Nummer eins, fast immer ignoriert.
- Deine Herzfrequenz spielt verrückt: morgens oder im lockeren Tempo höher als sonst, oder umgekehrt bei harten Belastungen ungewöhnlich niedrig.
- Dein Schlaf wird schlechter, obwohl du erschöpft bist – die grausame Ironie eines überdrehten Nervensystems.
- Deine Stimmung kippt: Reizbarkeit, Motivation im Auf und Ab, Einheiten werden zur Pflichtübung.
- Kleine Wehwehchen häufen sich: eine ziehende Sehne, eine verspannte Wade, Schmerzen, die „wandern“. Der Körper verteilt Warnungen, bevor die echte Verletzung kommt.
Pause ist auch ein Training
Bei Profis wird Erholung genauso ernsthaft geplant wie das Intervalltraining: freie Tage, Deload-Wochen (eine leichtere Woche alle 3–4 Wochen), Schlaf, der wie ein Training behandelt wird. Das ist keine verlorene Zeit – genau dann entsteht Form. Wer die Pause auslässt, sät, ohne je zu ernten.
Und falls dich komplettes Nichtstun nervös macht – was selbst schon ein Warnsignal ist –, ersetze es: lockeres Radfahren, Schwimmen, Spazierengehen. Bewegung ohne Stoßbelastung.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung: Erschöpfung, die trotz Pause anhält, gehört zum Arzt.
„Ich bin wahrscheinlich der einzige Coach, mit dem man schimpft, weil er NICHT genug Training gibt. Wenn dein Belastungsverhältnis die gesunde Zone verlässt, drossle ich die Intensität – auch wenn du mich im Chat anflehst. Das ist keine Bürokraten-Vorsicht: Ich sehe, wie sich deine Erschöpfung in den Daten stapelt, die du nicht anschauen willst. Am Renntag wirst du mir dankbar sein, dass ich lästig war.“
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